19 Der Fluch der Vampyrlady

Special Agent Steven Taylor jagt die 4 Halunken

Special Agent Stephen Taylor

SEI GETREU BIS IN DEN TOD SO WILL ICH DIR DIE KRONE  DES LEBENS GEBEN.

 

Es ist überhaupt nicht der Fall, dass die Einwohner von Capital City alles nur Gangster und Lumpengesindel sind. Es gibt auch die guten Bürger in Capital City und die sitzen jeden Sonntag in der Kirche. Egal wie heiß es ist, sie sitzen in ihren guten Anzügen in den Kirchenbänken und warten auf den Pfarrer. Die meisten sind so vom Alter her scheintot oder sehen zumindest so aus, ihre Frauen genauso und die Töchter sind hässlich wie die Nacht. So sitzen sie also und warten und schlottern vor Angst. Nicht vor dem Jüngsten Gericht oder so, sondern vor dem, was man so Leben nennt. Oder nennen wir es mal ganz neutral Existenz. Von Leben kann nämlich bei dem, was sich in Capital City abspielt, auch beim besten Willen nicht die Rede sein. Die Kirche steht so ein bißchen abseits und das Stück Wüste hinter der Kirche nennt sich Friedhof. Ein paar mickrige Sandhügel stehen da mit Holzkreuzen drauf. Unter den drei Kreuzen ganz links liegen die Pfarrer Numero eins, Numero zwei und Numero drei. Ein bißchen viel für die zehn Jahre seit Gründung der Stadt, was aber auch daran liegen kann, dass generell die Sterblichkeitsrate ziemlich hoch ist. Dutch Brown, der Kirchendiener und Totengräber, hat vor ein paar Wochen erst den dritten Pfarrer beerdigt und weil er gerade dabei war, hat er auch schon das Grab für den Herrn Pfarrer Nr. 4 geschaufelt. Machen wir uns nichts vor, über kurz oder lang wird auch Pfarrer Nr. 4 mit einem Strick im Glockenturm hängen, wie die anderen auch.

Vom Kircheninneren dringt der Klang eines krächzenden Harmoniums nach draußen, begleitet vom schwindsüchtigen Gesinge der Gemeinde. „Eine feste Burg ist unser Gott“ könnte das sein, oder so was ähnliches. Kläglich verweht es im heißen Wind.

Die Vier Halunken

Erwähnter Pfarrer Nr. 4 hat sich derweil im Büro des Sheriffs breitgemacht. Die löchrigen Stiefel auf dem Schreibtisch geparkt,  dreht er liebevoll die Trommel seines Revolvers. Dass er ein Pfarrer ist, erkennt man an seiner Soutane, aber von der Fresse her ist er aus demselben Holz geschnitten wie der Galgenvogel auf der anderen Seite des Schreibtischs. Der muss anscheinend der Sheriff sein, wenn man den Stern richtig interpretiert, mit dem er sich die Bohnen aus dem hohlen Zahn popelt. Ein hagerer Langer, Doc genannt und ein Grünschnabel, der grundlos vor sich hingrinst vervollständigen die Sammlung Galgenvögel zu einem Quartett. Grad in dem Moment, wie der Sheriff den Stern mal wieder in die Luft wirft zum Zwecke der Schießübung, geht von links eine Blondine am Fenster vorbei, da bleibt dir die Spucke weg. Eine echte Lady mit schlanker Taille, einem Satinbeutelchen für all die Sächelchen, die eine Dame braucht, und so einem von diesen Hütchen auf der Frisur mit einem eleganten Schleier.

„Ja leck mich am Arsch!“ entfährt es dem Pfarrer. „Schätze, es ist Zeit für den Gottesdienst!“

Ächzend erhebt er sich, spuckt seinen Pfriem in die Ecke, verstaut sein Schießeisen unter der Soutane und dann wollen wir mal. Der Sheriff quält sich ebenfalls in die Senkrechte, holt seinen Stern unter dem Sofa hervor und befestigt ihn an seiner Weste. So treten sie ans Freie, gefolgt von ihren Spießgesellen wenden sich nach rechts und folgen der Dame im Gänsemarsch zur Kirche.

Der Tod ist die Krone des Lebens

Der Pfarrer also, der Sheriff und der andere Gentleman aus der Gilde der Galgenvögel im Kielwasser, folgen der blonden Lady in Richtung Kirche, den Blick auf dem Hinterteil der Dame eingehakt. Kann man sich ja denken, was in ihrer Birne Blüten treibt. Die junge Lady jedenfalls interessiert sich null die Bohne für das, was in ihrem Rücken vor sich geht. Gemessen schreitet sie den Hügel hinauf, ein Sträußlein blauer Veilchen in den zarten, unter dem Busen gekreuzten Händen. In die Kirche geht sie aber nicht, obwohl genau halb Zehn ist, wo der Gottesdienst losgeht und das Tor einladend offensteht. Nein, in die Kirche geht sie nicht, sie geht rechts vorbei und dann durch das Gatter. Zum Kirchhof also.

Die vier Ganoven hingegen, die gehen in die Kirche. Der Pfarrer, der überhaupt hier scheinbar das Sagen hat, der schreitet voran. Drinnen, die Kirche rappelvoll, wie immer. Die Gemeinde vollzählig, die Häupter geneigt, in banger Erwartung. Mit großen Schritten marschiert der Pfarrer Richtung Altar, während der „Doc“ sich an die Orgel schwingt und der Sheriff gibt mit seinem Hilfssheriff den Ministranten. Und schon geht´s los.

Der Pfarrer ist auf hundertachzig. Hebt die Arme gen Himmel, rechts und links je einen schweren Armeerevolver und informiert die Gemeinde über Gott. Was er so denkt über jeden einzelnen und über Gottes gerechten Zorn, unvorstellbar in seiner Macht und Größe. Und dass sie sich ja nicht einbilden sollen verschont zu werden, bloß weil sie am Sonntag in der Kirche rumsitzen. Das macht sie noch längst nicht zu guten Menschen, keineswegs. Gott sieht nämlich alles, er schaut hinein in ihre erbärmlichen Seelen und Gott hat gesehen, und er hat den Blick von ihnen gewendet. Und wenn sich die Tore der Hölle öffnen und Gottes gerechte Strafe über die Welt kommt und das verkommene Menschengeschlecht, dann brauchen sie sich nicht einbilden, dass ausgerechtet sie gerettet werden. Denn Gott kennt einen jeden Sünder in seiner stinkenden Verdorbenheit.

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen ballert er einen Schuß in das Dach der Kirche, während der Doc mit beiden Händen die Orgel traktiert. Ein Donnern erfüllt den Kirchenraum vom nächsten Schuss und ein Tosen von der Orgel wie wenn das Jüngste Gericht über sie gekommen wäre. Schrilles Pfeifen von den Kugeln, die durch das Kirchenschiff flitzen in schönster Disharmonie mit dem Kreischen wie von Sägen aus den Kehlen einzelner Ladies, die nicht mehr an sich halten können, weil sie sich nun ein Bild machen können von dem was die Zukunft für sie bereit hält.

Dann steckt der Pfarrer seine dampfenden Schießeisen zurück in ihr Versteck unter der Soutane, das Dröhnen der Orgel steigert sich zu einem apokalyptischen Gewitter und naja, ein Pfarrer muss ja schließlich auch von was leben, aber Gott sei Dank gibt die Gemeinde reichlich. Rechts und links der Bänke stehen der Sheriff und sein Adjutant mit dem Klingelbeutel in der einen und der Knarre in der anderen Hand, als zarte Aufforderung, dass bei den schlotternden Damen und Herren nicht doch die Angst über den gottlosen Geiz das Rennen verliert.

Ungerührt von dem gewaltigen Lärm aus der Kirche, legt die blonde Lady am Grab auf dem Friedhof ihre Veilchen nieder und verharrt in einem stillen Gebet. Es ist das Grab ihres werten Bruders, der bedauernswerterweise vor seiner Zeit ins Gras beißen musste.

Schließlich erhebt sich die Lady, Daisy übrigens von ihren Freundinnen genannt, vom Grabe und wendet ihren Schritt wieder zurück in die Richtung, aus der sie gekommen ist. Gerade tritt unter dem wütenden Tosen der Orgel die Gemeinde aus dem Dunkel der Kirche. Und nun stehen sie da in ihren schwarzen Klamotten im gleißenden Licht der Sonne und trauen sich nicht, den Schritt in Richtung Heim und Herd zu lenken, denn das könnte ihnen ja vom Allmächtigen als Flucht gedeutete werden. Leichten Schrittes geht Miss Daisy an ihnen vorbei und entbietet den Bürgern einen freundlichen Morgengruß.

Das Grab ihres Bruders übrigens ist unter den Gräbern des Friedhofs das einzig gepflegte, mit Efeu und Rosen bepflanzt. E.T.A. Hofmann steht auf einem schlichten Kreuz

Ein Mann und ein Gewehr

Nachdem er so eine paar Tage geritten ist auf der Spur der Gangster hat die Prairie so langsam aber sicher der Wüste Platz gemacht. Auf einmal steigt er vom Pferd, holt einen Spaten aus der Satteltasche und fängt an zu buddeln. Und wie das Loch tief genug ist, legt er sich der Länge nach rein und dann siehst Du nichts mehr von Special Agent Steven Taylor. Seine Rosinante hatte er vorher hinter einem Felsblock versteckt und jetzt siehst Du nur noch Wüste. Aber nach ein paar Minuten schaut plötzlich so ein Scherenfernrohr aus dem Loch und damit beobachtet Special Agent Steven Taylor in der Ferne etwas, das aussieht wie ein Haufen Gerümpel und tatsächlich, jetzt erkennen wir es auch. Der Haufen Gerümpel, das ist die Hütte der Halunken, aber da tut sich nichts. Ne ganze Weil tut sich nichts und der Special Agent Steven Taylor beweist mal wieder seine Professionalität und wartet einfach ab.

Auf einmal geht die Tür auf und wer kommt raus? Conchita mit ihren zehn Röcken. In ihrer Klaue hält sie so ein kleines Blechgießkännchen und damit gießt sie zwei mickrige Pflänzchen, die so ungefähr fünf Meter auseinander im Wüstensand stehen. Dann verschwindet sie wieder in ihrer Bretterbude.

Die Stunden vergehen, die Sonnen geht unter, die Nacht bricht herein.

Am nächsten Tag so ungefähr um dieselbe Zeit, kommt sie wieder herausgewackelt mit ihrem Gießkännchen und so geht das weiter die nächsten Tage, bis es auf einmal doch soweit ist. Die vier Halunken kommen angaloppiert. Sturzbesoffen sind sie, alle miteinander, fallen fast aus dem Sattel, so zugelötet sind sie und gröhlen blödes Zeug vor sich hin.

Walter, Willy, Sam und Chuck! Die Erzganoven natürlich. Die waren das also, die die Kirchgänger von Capital City um ihr Kleingeld erleichtert haben. Und der eine von ihnen, Walther, hat sogar noch die Toga an. Vor sich auf dem Sattel hat er ein Fass gebunden und nun darfst Du mal raten, was da drin ist. Jetzt torkeln sie in die Hütte, das Fass voraus, dann schmeißen sie hinter sich die Tür zu und danach tut sich nicht mehr viel, außer dass die Sonne untergeht.

Rabenschwarz senkt sich die Nacht über die Wüste. Lautlos hat Special Agent Steven Taylor das Scherenfernrohr beiseite gelegt und seine Büchse, eine Winchester 73, Kaliber 75 mit redimensionierten Kniegelenkverschluss, neben sich gelegt. Mit geübter Hand lädt er sie, schraubt ein Nachtsichtfernrohr drauf, geht in Stellung und wartet. So ungefähr eine Stunde vor Mitternacht schließlich öffnet sich die Tür auf und heraus wankt Chuck, noch besoffener als vorhin, stellt sich an die Wand ihrer Behausung und fängt an, eine Stange Dünnsäure gegen die Hüttenwand zu verklappen. Plopp macht es da und der Chuck guckt komisch, weil er nicht weiß was das soll, hat er nämlich plötzlich ein faustgroßes Loch im Wanst, durch das man durchgucken kann und dann fällt er um wie ein Sack Zement und ist mausetot.

Das wäre schon mal die Nummer eins.

Hat halt nichts verlernt seit damals, der Special Agent Steven Taylor. Er legt behutsam seine Donnerbüchse beiseite, summt inwendig eine gefühlvolle Ballade vor sich hin, und verlegt sich erneut auf´s Warten. Es passiert ’ne ganze Weile wieder nichts, außer dass der Mond ein gutes Stück seines Weges am Himmelszelt zurücklegt, derweil in der Hütte weiter dem Schnaps zugesprochen wird und sonst irgendwelche Sachen gemacht werden, die mit dem Genuss von Alkohol im Zusammenhang stehen. Scheinbar sind sie sich da drin in die Haare geraten, wobei das Schnapsfass auf den Boden gekracht ist, oder einen der Halunken hat es auf´s Kreuz geschmissen mitsamt dem Schnapsfass und der Kollekte. Schepper, schepper, Krach!

Mittlerweile hat sich draußen eine Hyäne eingestellt. Von Special Agent Steven Taylor aus kann man nicht so wahnsinnig viel sehen, aber ist ja klar, dass sie sich für die sterblichen Überreste von Chuck interessiert. Gerade, wie sie sich so richtig über ihn hermachen will, geht die Tür auf und ich glaube es ist Willy, der sich vielleicht wundert, wo sein Spießgeselle Chuck so lange geblieben ist. Wie er die Hyäne sieht, ist er auch gleich auf hundertachtzig. „Drecksviech!“, lallt er und versucht, seine Kanone aus dem Gurt zu fummeln, um ihr ne Kugel auf den Pelz zu brennen, weil Hyänen bringen Unglück, und davon hat der Willy reichlich, Bedarf gedeckt.  Aber noch ehe sein Revolver Feuer spucken kann, hat die Hyäne den Rückzug angetreten, das Stück aus Chucks Body, das sie gerade in der Mache hat, das will sie natürlich behalten und wie sie abhaut, zieht sie so einen meterlangen Schlauch hinter sich her, der immer länger wird und ich würde mal sagen, dass es ein gutes Stück des Dünndarms ist. Sieben, acht Meter sind das mindestens. Am Ende hängt noch so ein blutiges Knäuel dran, könnte der Magen sein oder so. Durch das Licht, das durch die offene Tür fällt, kann man das ganz gut erkennen. Auch der Willy kann das sehen und irgendwie scheint ihm ein Licht aufzugehen.

Aber gerade, wie er das Maul aufreißt, um „In Deckung“ zu rufen oder so was in der Art, da macht es wieder Plopp und es sieht aus, als hätte man den Willy so mit Schmackes an einem Seil nach hinten gezogen, er macht einen dreifachen Too-loop und knallt mit der Fresse in die brackige Tränke.

Nummer zwei.

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

So steht es geschrieben in der Bibel, Psalm 90.12.

Besoffen wie sie sind, haben sie in der Hütte dann doch irgendwie mitgekriegt, was draußen los ist. Teilweise zumindest, denn Conchita sitzt nach wie vor gemütlich in ihrem Schaukelstuhl und sägt. Mit jedem Atemzug entsteigt ihrer Kehle ein entsetzliches Krächzen straight from hell.

Walther und Sam dagegen sind von ihrer Sitzgelegenheit aufgespritzt. Nun ist sie da, die Stunde der Abrechnung. Der eine steht noch, einer symbolischen Darstellung des Entsetzens gleich in der Mitte des Raumes, die blutunterlaufenen Augen starr zur Tür gerichtet, während der andere, Walther mit Namen, im Hechtsprung durch das geschlossene Fenster, Rolle vorwärts und weiter allen Vieren im Stil der gemeinen Wüstenechse in Richtung Pferde. Schon schwingt er seine rechte Hufe über den Gaul und wie er ihm gerade die Sporen geben will, da macht es Plopp! Walther fällt in den Wüstenstaub und wird von seinem Gaul noch so gut zehn, fünfzehn Meter in Richtung Wüste geschleppt. Dann gibt das Pferd auch auf und bleibt einfach stehen.

Zufrieden mit seinem Tagwerk rollt sich Special Agent Steven Taylor auf den Rücken, legt sich seine noch warme Büchse auf den Bauch, kramt aus seiner linken Arschtasche Schmierzettel und Stift hervor und versieht 3 Namen auf seiner Liste mit einem Häkchen. Mit der zufriedenen Miene eines Mannes, der gute Arbeit geleistet hat, bettet er das müde Haupt auf seinem Sattel und  gönnt sich eine Mütze Schlaf, um den nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe mit frischen Kräften das begonnene Werk zu beenden.

Punkt sieben Uhr klopft es höflich an die Tür des Kabuffs und herein tritt Special Agent Steven Taylor, zu dem Behufe, die Hütte einer gründlichen Durchsuchung auf Konterbande zu dingsen, sowie den Halunken Numero quatro zu suchen, finden und dingfest zu machen, bzw. ihn an Ort und Stelle der himmlischen Gerichtsbarkeit zu überführen. Der Dame des Hauses ein fröhliches „Good Morning“ entbietend, betritt er das trostlose Etablissemang. Zur Antwort spuckt diese mit einem heißeren Husten eine Großfamilie Kakerlaken in Richtung ihres Gastes. Bei seinem Eintreten war sie erstaunlich behände aus ihrem Schaukelstuhl gesprungen und hockt nun mit ihren sieben Röcken auf dem Klingelbeutel und den auf den Boden verstreuten Taschenuhren, Medaillons mit Haarlocken, Spargroschen, Silbermünzen, Uhren- und Halsketten, kurz allem was den Bürgern von Capital City lieb und teuer war. Mit flinken, verschlagenen Augen verfolgt sie jede seiner Bewegungen.

Der Blick des Agenten fällt auf einen Stapel Dosen in der hinteren Ecke, „Bohnen mit Speck“.

„Mich laust der Affe,“ spricht er zu sich. „wenn das nicht….“

Und tatsächlich! Bei näherem Studium der Aufkleber, bestätigt sich seine Vermutung. Es handelt sich um höchst seltene Exemplare aus Arkansas. Und zwar, wie aus der verwendeten Schrifttype erkennbar, sind diese Dinger mindestens 20 Jahre alt. Wow! Das nennt Special Agent Steven Taylor ein Schnäppchen. Natürlich sind sie samt und sonders in einem beklagenswerten Zustand, was nicht verwunderlich ist bei den bisherigen Eigentümern. Aber immerhin, einen nahezu jungfräulichen Aufkleber zumindest findet er in dem Stapel. Nachdem er mit sich zurate gegangen ist, die Vorgehensweise betreffend, beschließt er, dieses eine Exemplar vorsichtig von der Dose zu lösen und für den Rest ein Loch zu Buddeln, worin die Dosen samt und sonders zwischengelagert werden sollen, um baldmöglichst zurück zukommen und in einer Nacht und Nebel-Aktion den ganzen Schatz zu bergen. Das Ganze natürlich unter Beachtung strengster Geheimhaltung.

Sorgfältig hat er in der Zwischenzeit das Papier von der Dose gelöst, wofür er notgedrungen das Brackwasser aus der Pferdetränke benutzt hat, trocknet es und verstaut es sorgsam in seiner Brieftasche, darauf achtend, dass es nicht allzu sehr vergrumpfelt wird. Und damit wäre seine Mission an diesem Ort auch für´s erste beendet. Er nimmt seinen Hut vom Haken, wünscht seiner Gastgeberin im Hinausgehen noch einen schönen Tag, verlässt das traute Heim und schwingt sich auf seine Rosinante. 

Leider muss man sagen, dass die vier Halunken nicht müde werden, dem Special Agent in die Suppe zu spucken. Nichts als Scherereien hat er mit diesem Gesocks. Vor allen Dingen Walther, der Oberhalunke hat es offensichtlich darauf angelegt, dem guten Taylor den Tag zu vermiesen. In der Zwischenzeit hat er nämlich das Weite gesucht, oder zumindest hat er es versucht. Aber mit einem Loch im Fuß, gar nicht so einfach. Nichtdestotrotz ist Walther auf allen Vieren auf und davon gerobbt in Richtung Wüste, in der wahnsinnigen Hoffnung, seinem Schicksal entkommen zu können. Was übrigens typisch ist für Leute seines Schlages. Aber um die Sache kurz zu machen, Special Agent Steven Taylor hat ihn natürlich eingeholt und ihm den Gnadenschuss gegeben. Hätte Taylor auch lieber anders gehabt, aber der Typ hatte ja geradezu darum gebettelt.

Fast eine Stunde hat ihn das gekostet, aber nun endlich macht sich eine kleine Karawane auf in Richtung Capital City. Vorneweg, Sam, die Nummer vier unter den Halunken, der sich in der verzweifelten Hoffnung auf Rettung im dunkelsten Winkel ihrer Hütte gekauert hatte. An den Ohren musste Taylor ihn nach draußen führen und nun muss Sam zur Strafe den ganzen Weg zurück nach Capital City zu Fuß marschieren. Hinter ihm trabt Taylor auf seiner Rosinante und dann zwei Gäule mit den sterblichen Hüllen der Halunken Willy Munroe, alias Manni Bunsenbrenner und Chuck, welcher in Wirklichkeit kein anderer ist als Gaspard, seines Zeichens stolzer Ex-besitzer eines Lotus Exige. Und Willy natürlich, der im bürgerlichen Leben eine gut gehende Eisdiele in Bobbethal/Bobbe führt. Spezialität Rumtopf und Spaghetti-Eis. Beziehungsweise führte, muss man sagen. Wobei, jetzt wird´s kompliziert von wegen Zwischenreich und so. Aber egal, derlei Spitzfindigkeiten interessieren den Special Agent Steven Taylor sowieso ’nen feuchten Kehricht. Er denkt den ganzen Tag an Miss Daisy und was die für Augen machen wird, wenn er so total lässig die Mainstreet runter kommt mit seiner Ladung.

Und natürlich an seinen sensationellen Fund, der die Dosenaufklebersammler der ganzen Welt in Aufruhr versetzen wird. Immer schön abwechselnd.

Die Legende des Special Agent Steven Taylor