16- Ein schwarzes Wölkchen

Was bisher geschah: The Rock ist zurück

Ausgelassen hüpft THE ROCK durch sein Zwischenreich, das nur ihm gehört und von ihm zu recht „Paradies“ genannt wird. Wie oft werden irgendwelche Fleckchen auf der Erde leichthin Paradies genannt und ebenso oft erweist sich diese Bezeichnung als Etikettenschwindel. Nicht so das Zwischenreich von THE ROCK. Von Ferne erinnert es an die Dschungelbilder des Meisters Rousseau, nur viel schöner. Alles ist hell, voller Licht und in pastellfarbene Tinten getaucht. Wunderbar hellgelb scheint die Sonne aus einem duftigen azurblauen Himmel hernieder auf Blümchen in den schönsten Rosatönen. Der blaue Himmel, das zarte Hellgrün der Landschaft küssend, schmeichelt den Augen von THE ROCK, als er so ganz unbeschwert durch die Auen und Täler seines Reiches streift. Vöglein zwitschern, Schmetterlinge tanzen im Sonnenlicht, und THE ROCK kann gar nicht anders, als Hüpfen und Tanzen auf einem Boden von weichen und reinweißen Kumuluswolken. Ein mächtig röhrender Ruf aus seiner männlichen Kehle ruft Uhuhruh herbei, seine treue Hirschkuh, die ganz entgegen der Gewohnheiten einer Hirschkuh ein prächtiges Geweih auf der Stirn trägt. Erfreut antwortet sie mit einem lustigen Blöken. THE ROCK schwingt sich auf ihren Rücken und trabt durch sein pastellfarbenes Reich, in dem es nur Schönheit, Harmonie und Liebe gibt. So ungefähr wie bei Bambi dürfen wir uns das vorstellen, nur ohne den schlimmen Schluss. Laut lacht THE ROCK, um seiner Freude am Dasein Ausdruck zu verleihen und auf jedes Lachen von THE ROCK antwortetet Uhuhruh mit einem entzückenden Blöken.

Gerade kommen sie an einem Wasserfall vorbei. Weißschäumende Gischt stürzt in lustigem Spiel die Felsen hinab in einen spiegelblanken See und schon stürzen sich auch Hirschkuh und Reiter in die Fluten und nehmen ein herrliches Bad unter dem Wasserfall. Hach, wie schön das Leben doch sein kann. Das Glück in diesem Reich waltet in den Zwischenräumen der Atome.

Erquickt von seinem Bade legt sich THE ROCK in die warme, hellgelbe Sonne auf die hellgrüne Wiese, auf die mit viel Geschmack ein bunter Teppich herrlichster Blüten gestreut ist, die an den Rändern der weißen Kumuluswolken gedeihen.

Goldene, tiefe Ruhe senkt sich über das Land.

Eine kleine Wolke erscheint am Firmament und segelt über das Himmelsblau bis es sich keck vor die Sonne schiebt und einen Schatten auf das Gesicht von THE ROCK wirft. Ein klein wenig irritiert öffnet er die Augen und was sieht er? Das Wölkchen ist von schwarzer Farbe. Wie bitte? Wie kann das sein? Ein schwarzes Wölkchen im Zwischenreich von THE ROCK?

Wie konnte das nur passieren?

Eben noch war THE ROCK Herr eines Paradieses, das man sich paradiesischer nicht vorstellen kann. Und nun ist er ausgesetzt auf einer rotglühenden Einöde. Die Erklärung für die Ursache dieser Verwandlung ist in der Tatsache zu suchen, dass man niemals im selben Fluss schwimmt.

Bevor THE ROCK seinen Hammer schwingend in das Zwischenreich der Lady Tamara Yagelowsk hineingerauscht war, befand er sich im Zustand der Harmonie mit seinem eigenen Zwischenreich. Es war das Paradies und auch THE ROCK war im Zustand des Paradiesischem, was nicht anderes heißt als bar jeden Gedankens.

Well! Wenn wir untersuchen, wie die Saat eines Gedankens im Gemüt von THE ROCK  aufgehen konnte, der sich alsbald als schwarze Wolke am Firmament materialisierte, so begann es mit dem Gefühl, daß ihm etwas fehlt: Es fehlten ihm seine Brothers von den Hells Angels. Möglicherweise wäre dieses Gefühl in seiner Brust verdampft wie ein Schluck Wasser in der Wüste, hätte ihn nicht in selbigem Moment der Pfeil des HAMMERS getroffen. Und dieser Pfeil in seinem Fleisch gemahnte ihn daran, dass er, THE ROCK, in seiner Alleinigkeit nicht mehr in vollkommener Daseinsform war, sondern unvollkommener. Denn ohne seinen HAMMER ist THE ROCK nicht THE ROCK. Er ist nicht g.a.n.z. .

„Ohne die Bros. werde ich nicht mehr meinen HAMMER kriegen.“

So also entstand und formte sich >> der Gedanke <<.

Ein kleiner Schritt für THE ROCK, ein gewaltiger Schritt dagegen für sein Zwischenreich. Wenn man da nicht rammdösig wird, dann weiß ich es auch nicht, liebeR LeserIn. Kann doch jedem Mal passieren, dass einen von ungefähr ein Gedanke anfliegt! Hier sitzt er auf einem Stein inmitten einer blutroten Wüste in sengender Hitze und grübelt, den Kopf gestützt in Denkerpose auf die mächtige und doch so ohnmächtige Faust.

Schlimm ist es also bestellt um THE ROCK und sein Zwischenreich und ehrlich gesagt, hernieden sieht es auch nicht gerade rosig aus. Nehmen wir mal als Beispiel das kleine Städtchen Bobbethal, das so anmutig die Ufer der Bobbe säumt. Dunkelgrau bis schwarz sieht es da aus, wenn man mal genau hinschaut. Das Übel ist schon fleißig am Werk, man muss nur mal sich ins Auto setzen und zum steilen Osthang des Madenberges fahren. Da sind sie schon rege tätig, die Amis oder wer auch immer die Schmutzarbeit für sie übernimmt. Von Oben nach Unten haben sie eine schmale Schneise geschlagen in den Steilhang, uralte Bäume knicken wie Streichhölzer zu Boden.

The Rock und die kleine Spinne

Einsam unter dem rotglühenden Himmel seines wüsten Zwischenreiches sitzt THE ROCK auf einem Stein und sinnt nach. Wirr ziehen Gedankenfetzen in seinem Kopf ihre immer schnellere Bahn, derweil die Minuten sich zu Stunden und die Stunden sich zu Tagen summieren. Nichts tut sich nah und fern, als dass die Sonne nur noch wütender und heißer auf ihn und sein Zwischenreich herniederbrüllt.

Irgendwann einmal, schließlich und endlich passiert doch etwas. Da krabbelt unter der großen Zeh seines rechten Fußes eine kleine Spinne hervor. Emsig klettert sie an seiner Wade empor bis zum Nabel. Nach einer kleinen Ruhepause klettert sie immer höher an ihm hinauf, bis sie, auf seiner Stirn angekommen, sich an einem Faden lotrecht in die Tiefe hinablässt zum großen Zeh hinunter. Und kaum unten angekommen, beginnt sie erneut ihren Aufstieg und so geht es weiter, und so geht es fort, bis sie endlich THE ROCK ganz und gar in ihr Spinnennetzkokon eingesponnen hat. Das sieht dann aus wie eine Rodinstatue, die zum Transport eingepackt wurde.

Die kleine Spinne hat es sich ganz oben auf dem schön verpackten Schädel von THE ROCK gemütlich gemacht. Nun genießt sie so ein bißchen die Stille und das schöne Wetter. Aber nach einer Weile ist es ihr gar zu gemütlich geworden, oder besser gesagt, ihr ist eingefallen, dass sie es sich noch gemütlicher machen könnte. Und da lässt sie sich nicht lange bitten, schon sägt sie mit ihren kleinen scharfen Sägezähnchen ein Loch in den Kokonschädel von THE ROCK, und taucht dann mal in die Tiefe. Im Nu taucht sie wieder auf mit einem Klappstuhl in den beiden Vorderbeinchen. Der hat nämlich noch gefehlt zur Gemütlichkeit oder fast, denn jetzt springt sie erneut in die Tiefe und keine Sekunde später kommt sie mit einem schönen Drink wieder an die Oberfläche. Nun endlich hat sie ihre sieben Sachen beieinander und macht es sich richtig gemütlich. Herrlich! Der Drink genau richtig, schön kühl, aber nicht zu, und so lässt sich das Leben gefallen. Naja, aber ein bißchen heiß ist es schon, also nochmals einen Hechtsprung in ihr Loch, und im Nu ist sie wieder oben mit einem gelben Sonnenschirm. Also jetzt fehlt echt nichts mehr.

Voller Wohlgefallen lässt sie den Blick schweifen über das weite Land, das wüst und öd unter einer rotglühenden Sonne schmort. Doch halt! Was ist das?! In Blitzes Schnelle hat sie ihren ganzen Krempel zusammengesammelt und ab damit in das Loch. Im D-Zug-Tempo saust sie unter der Spinnennetzverpackung an den Gliedern von THE ROCK entlang bis hinunter zur großen Zeh und da dann ab in die Tiefe eines Erdloches, das sie in Windeseile gebuddelt hat.

Am Horizont war nämlich eine Staubwolke erschienen, und die kommt immer näher und näher, und jetzt erkennen wir eine Handvoll Reiter. In diesen Breiten kann das nichts Gutes verheißen. Es sind vier an der Zahl, und der Leser geht nicht fehl in der Annahme, dass es sich um die größten Halunken von Neu-Mexiko handelt. Und tatsächlich, der letzte unter ihnen zieht an einem Lasso einen Sarg hinter sich her. Ihre dreckigen Visagen haben sie unter einem Tuch verborgen. Als sie auf der Höhe von THE ROCK angekommen sind, zieht der Oberganove das Pferd in die Höhe und ballert, nur so zum Spaß, eine Salve in THE ROCK hinein. Oder besser gesagt in die Hülle, formlery known as THE ROCK. Schon sprudelt kühles Nass aus den Löchern und die Halunken geben ihren Rossen die Sporen, sprengen heran und füllen ihre Sombreros mit dem wertvollen Quell, tollen herum in den Strahlen wie vor kurzem noch THE ROCK selbst es tat mit Uhuhru, seiner treuen Hirschkuh in den Fluten des Wasserfalls, als es noch Wasser gab in Hülle und Fülle, und Blumen und Schönheit ohnegleichen.

Als sie keine Lust mehr haben, setzen sich die Halunken wieder auf ihre Gäule, und reiten ihres Weges. Bald durchqueren sie einen Wald aus ganz vielen Statuen wie THE ROCK eine ist. Da kommen einem schon Bedenken, dass es vielleicht schon viele THE ROCKs gab, denen dasselbe Los zugeteilt wurde vom erbarmungslosen Schicksal. Warum werden immer nur die Bösen belohnt, fragen wir uns, aber was soll´s, inzwischen sind die  Halunken um die Ecke und schon liegt wieder die Wüste öd und leer wie am ersten Tag. Da! Unter einem Stein regt sich was. Ist es ein Insekt, eine Kakerlake aus der Familie der Schaben, die der bittersten Kälte trotzen wie der glühendsten Hitze? Ein Volltreffer mit einer Atombombe von der zehnfachen Zerstörungskraft von Hiroshima juckt diese possierlichen Tierchen nicht einmal. Nein, wenn wir das Ding hier mit der Lupe betrachten, dann sieht es genau so aus wie THE ROCK! Nur halt in winzig klein. Allerliebst sieht er aus, wie er so über die Steinchen purzelt und sich seinen Weg bahnt from Nowhere to nirgendwo.

Die Vier Halunken

Die vier Halunken Walther, Willy, Chuck und Sam

Die vier Halunken hausen in einem stinkenden Bretterverschlag, zusammengezimmert aus ausgebleichten Holzblanken. Da hocken sie in dreckigem Unterzeug, an einem Tisch, und lassen sich so eine Brühe, die sie Kaffee nennen, die Kehle runterlaufen. Am Herd steht eine runzlige Alte von der Größe her einsfünfzig, wenn´s hoch kommt, und genau so breit ist sie auch, aber nicht weil sie so dick ist, nein, es ist wegen ihrer zehn Röcke, die sie allesamt am Leib trägt. Vielleicht, weil sie in der Gluthitze friert wie ein Hurenbock oder vielleicht, weil das ihre persönliche Mode ist, keine Ahnung.
In der Dunkelheit des Bretterverschlags ist zwar kaum was zu erkennen, aber das, was man so zu sehen kriegt von ihrem Gesicht, das reicht vollkommen für die nächsten vierzehn Tage. Aus irgendeinem Grund hat sie einen Dauerhusten und wenn sie mal wieder ihr Krächzen vom Stapel lässt, dann spritzt jedes Mal eine ganze Familie Kakerlaken an ihrem einzigen Zahn vorbei aus ihrer Fresse. Dieses Mütterchen, das genauso gut des Teufels Großmutter sein könnte, hört auf den Namen Conchita. Und mittlerweile ist uns so schlecht von dem Gestank in dieser Bude, dass wir schleunigst durch das riesige Loch in der Wand  und nach draußen hasten, wo wir uns erst einmal die Seele aus dem Leib kotzen.

Fortsetzung folgt